Premiere für Tschechien: Erstmals Gashochdruckleitung mit Primus Line® saniert

Das grabenlose Sanierungssystem Primus Line® eignet sich zur Erneuerung von Wasser-, Gas- und Öldruckleitungen und kam bereits in einer Vielzahl von Ländern weltweit zum Einsatz. Aufgrund der erstmaligen Anwendung für eine Gas-Hochdruckleitung in Tschechien wurde das Projekt in Begleitung des Technischen Überwachungsvereins der Tschechischen Republik (TICR) durchgeführt.

Bei dem konkreten Sanierungsobjekt handelt es sich um eine ca. 1.600 Meter lange Stahlleitung DN 250 PN 25 aus dem Jahre 1955. Der zu bearbeitende 1,6 Kilometer lange Leitungsabschnitt verläuft durch ein schwer zugängliches Waldgebiet. Da das Transportvolumen der Leitung DN 250 heute nicht mehr benötigt wird, entschied sich der Netzbetreiber Grid Services GasNet (Teil von Člen innogy) aus der Tschechischen Republik, den Querschnitt der Rohrleitung durch den Einbau des Systems Primus Line® DN 150 PN 35 zu reduzieren.

Als Vorbereitung der Installation wurden Mitarbeiter von GasNet und einer tschechischen Rohrleitungsbaufirma am Hauptsitz der Rädlinger primus line GmbH in Deutschland entsprechend geschult und zertifiziert. In der Bauphase errichtete die Baufirma die Zuwegung zur Leitung im Wald und legte einen Bypass für die vorübergehende Versorgung der Gasabnehmer während der Netzunterbrechung. Nach der Erstellung der Baugruben und dem Auftrennen der Rohrleitung wurde das Altrohr gereinigt. Dazu wurden nicht fachgerecht ausgeführte Schweißnähte an den Rohrstößen mit einem Fräsroboter entfernt. Diese feststehenden Hindernisse ragten in den Innendurchmesser des Rohres hinein und hätten den Liner bei Einzug und Betrieb beschädigen können.

Die Installation erfolgte in drei Abschnitten mit Längen von 371, 602 und 608 Metern, die über jeweils zwei Verbinder DN 150 PN 35 an das Altrohr angeschlossen wurden. Der mit Kevlar® verstärkte Liner wird nicht mit dem Altrohr verklebt und nimmt den Betriebsdruck der Leitung deshalb auf. Aufgrund der der Flexibilität des Materials, kann der Liner Bögen von bis zu 45 Grad durchlaufen und kann in Längen von bis zu 2.500 Metern in einem Stück installiert werden.

Vorbereitende Baumaßnahmen wie der Bau der Ersatzversorgung, die Erstellung der Zuwegung und der Baugruben sowie das Reinigen der Rohrleitung dauerten acht Wochen. Der Einbau des Systems Primus Line® war nach drei Wochen abgeschlossen. Weitere drei Wochen wurden zur Einbindung der sanierten Pipeline in das Netz, zum Rückbau der Ersatzversorgung und zur Übergabe an GasNet benötigt.

Die Überprüfung der Dichtigkeit des eingebauten Systems erfolgte mit einem Druck von 33 bar (1,3 x 25 bar (MOP)) und wurde durch den Technischen Überwachungsvereins der Tschechischen Republik (TICR) begleitet.

Gründe für den Einsatz von Primus Line®

2017 begann der Netzbetreiber GasNet aus der Tschechischen Republik, nach einer grabenlosen Sanierungstechnologie für Gas-Hochdruckleitungen zu suchen. Neben technischen und strategischen Überlegungen spielten dabei auch ökologische und auf Forschung ausgerichtete Interessen eine Rolle.

Die Erdgasleitung DN 250 stellt die einzige Versorgung für die Stadt Adamov bei Brno in der Tschechischen Republik und zwei Industriekunden dar. Eine kurze Sanierungsdauer und schnelle Wiederinbetriebnahme waren deshalb entscheidend.

Außerdem befindet sich die Leitung in einem schwer zugänglichen Waldgebiet. Große Teile des Rohrs sind zwischen einem schmalen forstwirtschaftlichen Weg und einem Bach verlegt. Darüber hinaus befindet sich der ca. 400 Meter lange Abschnitt in einem steilen, bewaldeten Areal. Spezielle Frosch-, Insekten- und Pflanzenarten haben dort ihren Lebensraum und machen das Gebiet zu einem umweltsensiblen Bereich. Auch der Eigentümer des Areals, die Mendelś University of Brno, wünschte eine umweltfreundliche Lösung bei kurzer Sanierungszeit und wenigen kleinen offenen Grabungen weitgehend ohne Zerstörung des Baumbestands.

Grundsätzlich bestand aber auch seitens GasNet ein großes Interesse daran, den Einsatz grabenloser Methoden zur Sanierung von Gas-Hochdruckleitungen zu testen, um Erfahrungen in Bezug auf den zeitlichen Aufwand und die Anforderungen bei der Realisierung zu sammeln.

Die Entscheidung für das System Primus Line® fiel insbesondere aufgrund der Möglichkeit der Durchmesserreduzierung, der Druckbeständigkeit des Systems DN 150 von bis zu 35 bar und der kurzen Sanierungszeit.

Besonderheiten bei der grabenlosen Sanierung von Gasleitungen

Beim Einsatz von Primus Line® in der Gasversorgung werden Maßnahmen zur Überwachung des Ringraumes erforderlich. Grundsätzlich findet bei kunststoffbasierten Rohr- und Sanierungssystemen eine spezifische Permeation zwischen dem Inneren des Liners und dem Ringraum statt. Diese wird durch den materialspezifischen Permeationskoeffizienten quantifiziert. Durch die spezielle TPU-Innenbeschichtung liegt dieser Koeffizient deutlich unter dem in der DVGW VP 643 festgelegten Grenzwert.

Zur Überwachung wird dazu bei jedem Verbinder ein Monitoring Rohr, ausgestattet mit einem Absperrschieber, am Altrohr angebracht. Der Druck- und Konzentrationsausgleich zwischen Liner und Ringraum kann so durch eine projektbezogene, turnusmäßige Druckmessung betrieblich überwacht werden.

Fazit des Auftraggebers

Für Auftraggeber GasNet war der Einsatz der grabenlosen Technologie Primus Line® auch ein Versuch, um Erfahrungen bezüglich der Vorteile, aber auch der im Vorfeld zu treffenden Maßnahmen zu sammeln. GasNet kam zu dem Ergebnis, dass der Einsatz speziell dann zu empfehlen ist, wenn besonders kurze Sanierungszeiten gefordert und die Möglichkeiten für offene Grabungen sehr beschränkt sind. Bei bestimmten Projekten führe aufgrund der Vorgaben von Kommunen, Grundeigentürmer oder Umweltbehörden kein Weg mehr an grabenlosen Technologien vorbei.


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